Samstag, 23. Juni 2012

Boots für Äpfel

Wie romantisch, wenn der Protagonistin dieser Geschichte, Brillenträgerin, Dauersingle und leicht trottelig veranlasst, nennen wir sie Anna oder Berta oder Clara, auf dem Markt die folgende Situation passiert: eben noch am Obststand 20 Äpfel gekauft und nun am Blumenstand den wöchentlichen Strauss Rosen zur Selbstliebe kaufend, kippt die Tasche mit den Äpfeln um, alle Äpfel rollen aus der Tasche... und ein Apfel direkt vor die Füße der einen Liebe des zukünftigen Lebens! Eine Romantikkommödie made in Hollywood, die dank der neuen Taschen des Labels minimum-selected design nun der Vergangenheit angehören werden. Die Sohlentasche macht sich auf den Weg... schön ist sie trotzdem!

Sonntag, 17. Juni 2012

Humanitäre Vasen

Der schwedische Möbelgigant IKEA praktiziert die Humanisierung von Möbeln ja schon seit Jahrzehnten, nun wird die Menschlichkeit der Oberfläche von Materialien noch vergoldet: ein Plaster zur Reparatur von zersprungenen Vasen. Das Schmerzmittel kann ja dann ins Blumenwasser.

Samstag, 16. Juni 2012

SuperMoms gibt es nicht

Die Institution Brigitte hat wieder mal ein neues Frauensegment konstruiert: die "SuperMoms". Damit werden die jungen Mütter als Leserinnen der klassischen Brigitte outgesourced und neu unter Druck gesetzt. Brigitte MOM ist "das Magazin mit starken Nerven", wobei das wohl ein witziger Euphemismus sein soll. Als Leserin dieser Zeitschrift und als Mutter wirst du keine schwachen Nerven mehr haben, hast sie nicht zu haben. Denn du bist schön und schlank, bist ein Organisationstalent, die die eigene Karriere nie aus den Augen verloren hat! Du hast Sex und kannst Kuchen backen, deine Kinder sind gut in der Schule und sozial engagiert. Du hast dein Leben einfach super im Griff und Zeit, jeden Nachmittag mit der Brigitte MOM auf dem Sofa zu sitzen und einen entkoffeinierten Cafe Latte zu trinken. "Ihr seid mein Ein, aber nicht mein Alles", ist ein typischer Satz der neuen MOM-Mütter. "ALLEINERZIEHEND, WIE SCHÖN - Was Single-Moms so sexy macht" ist ein typisches Thema der neuen MOM. Damit schreibt das Magazin vorbei an der Lebenswirklichkeit aller jungen Frauen im 21. Jahrhundert, die nicht wissen, was sie machen sollen, wenn der Kindergarten wieder mal Ferien hat oder das kranke Kind nach Hause schickt. Obwohl - auch bei diesen individuellen Vereinbarkeitsstrategien, die ja durchaus auch politisch gelöst werden könnten und müssten, hat die MOM eine Lösung: sie verlost (das ist jetzt kein Scherz) eine Perle. Die Perle, das ist keine Halskette und auch kein Armreif, sondern eine Haushälterin, die der Supermom unter die Arme greift, damit sie ihre Aufgaben auch wirklich hinbekommt. An dieser Aktion wird dann doch deutlich, dass die Konstruktion der jungen Mutter Probleme in der Realität hat. Und für alle die, die beim Gewinnspiel Perle leer ausgegangen sind, bleibt ja noch das Betreuungsgeld...

Freitag, 15. Juni 2012

die will doch nur spielen...

"Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold", so steht es im GG, Artikel 22, Absatz 2, und nirgendwo sonst als im Fußball spielt die Trikolore so flächendeckend eine viel zu selten diskutierte Rolle mit. Nun steht nicht im Grundgesetz, dass spätestens alle zwei Jahre zu den Fußballmeisterschaften das ganze Land gezwungen ist, schwarz-rot-gold zu tragen und zu fahren. Doch scheint es, als müsse die Ermahnung nationaler Gehorsamkeit nicht explizit im Gesetzestext stehen, denn die Identifikationsangebote wurden längst von der Nahrungsmittel und Kleidungsindustrie, von Kosmetika und Restaurantketten übernommen:
in Deutschland hat die Bundesflagge eine eigentümliche Kraft zurückgewonnen und ist in einem Fußballsommer zu dem vielleicht populärsten Bild der Straßen und Supermärkte geworden.
Schade, dass Olli Kahn und Mehmet Scholz, die beiden so konträren Experten des Öffentlichen Fernsehens, nicht Teil eines Theaterstücks sind, in dem die Flagge diskutiert werden kann. Schade, dass die Flagge kein Spiel ist. Schwarz, rot, gold, das sind Krieg und Blut.
Mir ist es immer wieder ein Rätsel, wie die Flagge sich in das Fußballspiel eingeschlichen hat - nicht hinter dem Rücken der Ordnerinnen und Ordner, sondern vor ihren Augen, in aller Öffentlichkeit, als Zuckerstreusel auf den Deutschlandküssen, als Make up, als Toilettenpapier und als Bettwäsche. Wer zu Produkten in schwarz-rot-goldener Sonderedition kauft, der bekommt die patriotische, nationalistische Identifikation gratis dazu. Wenn Frauen, die sich die Wange schwarz-rot-gold bemalen und Männer, die Armbänder in schwarz-rot-gold tragen darauf hinweisen, dass "sei doch nur ein Spiel", dann hat die Indoktrination erfolgreich funktioniert.
Für mich übrigens ist ein schwarz-rot-goldener Aufkleber eine echte Hilfestellung bei der Nichtkauf-Entscheidung. Die Grüne Jugend hingegen bietet in ihrem Internetshop seit Jahren den Aufkleber "Patriotismus - nein danke" an. Das ist jetzt eine Kaufempfehlung!

Samstag, 19. Mai 2012

bin beschäftigt

Immer wieder werde ich angesprochen, wann ich wieder mal was bloggen würde. Die Wahrheit ist: ich komme momentan so selten dazu, weil ich anderweitig beschäftigt bin.

Freitag, 18. Mai 2012

same same but different

Im Jahr 2010 sind mehr Menschen von Deutschland in die Türkei eingewandert als Menschen aus der Türkei nach Deutschland eingewandert sind. Das war auch so im Jahr 2009. Und im Jahr 2008.

Donnerstag, 17. Mai 2012

Fotofix

Das ist schon ein komischer Kunstbetrieb, in dem man Listen schreiben könnte über Spielfilme, in denen Passbildautomaten eine Rolle spielen.

Sonntag, 25. März 2012

Beschissen!


Manchmal muss man die Dinge einfach beim Namen nennen. Ein elaborierter Sprachcode ist fantastisch, aber wenn er dazu führt, dass Machtpraktiken und Ungerechtigkeiten verschleiert statt entschleiert werden, so ist niemandem geholfen. Wenn ich einen Preis verleihen dürfte an eine Publikation, die die Dinge beim Namen nennt, so wäre das der "Beschiss-Atlas" von Kuschel und Scheub. Wirklich ganz toll!

Montag, 19. März 2012

rosa genoppte dänische Acrylnitrilbutadienstyrol - Spritzlinge

Sie sind schwach geworden, die Macher von LEGO, und bieten nun auch Produkte für das, tja, schwache Geschlecht an. Nicht anders ist die neue Produktlinie des dänischen Unternehmens zu interpretieren, als ein "Rückfall in völlig veraltete Klischees". Der Aufschrei der Erziehungswelt ("ein emanzipatorischer Albtraum") wird in Billund, Dänemark, nicht zu hören sein.
Weil es keine Prädisposition, ich wiederhole: KEINE Prädisposition für die Mädchenliebe zur Farbe rosa gibt, können wir und bei Konzernen wie LEGO bedanken, dass Mädchen auch im 21. Jahrhundert noch Steine in den Weg gelegt werden auf dem Weg zur Pilotin, zur Nobelpreisträgerin, zur Professorin. Lego-Steine, damit beginnt der steinige Weg!

Freitag, 16. März 2012

Eintracht auf dem Omnibus

Neulich in Braunschweig: die Stadt übt sich in Eintracht. Auf den Straßenbahnen und in den Zeitungen, an Werbesäulen: Wir sind Eintracht. Nur schwer ist vorstellbar, dass es nicht die Stadt, sondern der dort ansässige Turn- und Sportverein Eintracht von 1895 e. V. ist, der für das einträchtige Marketing verantwortlich sein soll. Die Trennung zwischen Kommune und Verein ist auch deswegen so unscharf, weil von beiden Seiten Gebrauch gemacht wird vom Löwen-Wappen. Braunschweig, die Löwenstadt, und der Verein bedienen sich dem Motiv Heinrich des Löwen. Seit dem 12. Jahrhundert durchgängig benutzt, sind Tradition und Stärke die Elemente, die der Selbstkonstruktion Braunschweigs am Liebsten sind. Sehr modern ist das nicht.
Wir sind Eintracht imaginiert einen künstlichen Zusammenhalt, aber auch eine enorme Homogenisierung. Wir sind eins. Heterogenität und Diversität, all die Vielfalt, die das Leben in einer Großtstadt im 21. Jahrhundert prägen, haben in der Eintracht keinen Platz.
Jetzt hat der Verein sein Wappen erneuert - oder eraltert, wie es wohl treffender wäre, und kehrt zu den so geliebten traditionellen Werten zurück. Auch hier ist der Löwe wieder zentral tragendes Element. Bleibt zu wünschen, dass die Menschen in Braunschweig laut und bunt und vielfältig ihre Kultur leben. Leicht wird das nicht, bei der Omnipräsenz der Eintracht auf den Omnibussen.