Freitag, 8. Januar 2010

nofreteten 28

Das Internet ist voll mit kuriosen Dingen. So auch mit einem Interview, dass die Satireseite Uncyclopedia mit der Nofrete geführt und das ich nun in Auszügen wiedergeben werde.
Zunächst stellt Uncyclopedia fest, wer die Nofretete ist, nämlich "eine rüstige Seniorin mit Migrationshintergrund", der derzeit die Ausreise in ihr altes Heimatland, Ägypten, von deutschen Behörden verweigert werde. Im Text wird belegt, dass Integration sehr schnell möglich ist, und dass die Sprache hierbei zu einem zentralen Faktor wird: obwohl die Nofretete über 3260 Jahre in Ägypten gelebt hat und erst seit 100 Jahren in Deutschland lebt, ist hier Berliner Akzent deutliches Zeichen von Dazugehörigkeit. Ob sie bedauert, nach Berlin gekommen zu sein?
Nofretete: „Nee, nich wirklich. Wissense, sone Grabstätte is ooch nich det Jelbe vom Ei. Als der olle Borchardt mein Grab uffjemacht hat und ma wieder frische Luft rinjekomm is, det war schon ne Brise, die hat mir richtig jutjetan. Und die Berliner Luft is ooch nich zu verachten. Ick hab nüscht gegen Berlin, man jewöhnt sich dran. Und ick hab hier viel Besuch, det jefällt mir ooch. Nur det mit der Reisefreiheit, daran müssense noch arbeiten.“
Nach dem Geheimnis ihrer Schönheit zu fragen, ist sinnlos:
Nofretete: „Fraren könnense ruhig, aber da frarense mich zuviel. Damals in Äjypten hattenwer jede Menge Wässerchen und Hautkrems, wissense, die ollen Priester und Einbalsamierer waren ja ziemliche Langweiler, aber von Kosmetik verstandense wat. Sie sind nich der erste, der danach fragt. Vor allem die Frauen fraren mich andauernd, ob det Zeuch nich noch irjendwo zu koofen is. Aber ma unter uns, selbst wennse det Zeuch heut noch irjendwo produziern würden, det würde in der EU nirjends mehr jenehmigt wern. Wat weiß ick, wat die damals da rinjemischt haben. Unjelegte Eier von Exoten sind dat Mindeste.“
Zudem bestätigt der Text, dass der Generalsekretär der ägyptischen Altertumsverwaltung, Zahi Hawass, der größte Fan der Nofretete ist: UnNews: „Und was halten Sie vom Ägypten von heute?
“Nofretete: „Also son bisschen zittrich werd ick schon, wenn ick dran denke, aber ick will unbedingt noch mal hin. Natürlich kenn ick die Äjypter von heute nich, aber et sind schließlich meine Urenkel oder sowat, nich? Se ham meine janze olle Verwandtschaft ausjebuddelt, se ham den Nil in'n Jriff jekriegt, daran ham unsre sich noch die Zähne ausjebissen, det muss man doch anerkennen. Einen Äjypter kenn ick allerdings, der schreibt mir fast jede Woche und lädt mich zu sich nach Hause ein. Det is der Hawass, son Professor oder so. Is fast so oft im Fernsehen wie ick. Netter junger Mann, aber wennse mich fraren, bisschen kamerageil, wa.“

Massagen fliegen

Für gewöhnlich wünschen sich Flugreisende einen sanften Flug ohne Turbulenzen, wettermässig. So manch Einer/Einem mag bei jedem kleinsten Ruckeln und Zuckeln das "Blut in den Adern gefrieren" (interessante Redewendung!). Nicht so den Fluggästen der Etihad Airlines. Die Nationalfluglinie der Vereinigten Arabischen Emirate bietet ihren exklusiven Kundinnen und Kunden der "Pearl Business Class" Sessel an, in denen Massageelemente integriert sind: da ruckelt und zuckelt es dann freiwillig während des Fluges.

Donnerstag, 7. Januar 2010

nofreteten 27














Es ist was es ist. Alles andere ist globale Ikonografie.
Quelle: Namesi auf Flickr.

Tante Emma ist Onkel Ahmed

In jeder romantisierenden Geschichte über das rural geprägte Deutschland kommt er vor: der Tante-Emma-Laden, jenes "Synonym für eine (noch) intakte persönliche Beziehung und Dienstleistungsbereitschaft zwischen dem lokalen Händler und seinen Kunden". Im Zuge der Discounterisierung & Anonymisierung verschwanden dann die Tante Emmas, was allerdings die Voraussetzung dafür war, dass ihr Name in Kulturszenen und alternative Projekte eingehen konnten (vgl. Tante Emma Café). Udo Jürgens besingt nostalgisch und poetisch die früheren Tage und konstruiert damit eine Wirklichkeit zwischen Kolonialwaren und Klatsch&Tratsch, nach der wir uns nicht wirklich zurück sehnen sollten, finde ich. Dass vor allen Dingen Mitglieder globalisierungskritischer Kreise sich nach der guten alten Tante zurücksehnen, muss erstaunen, denn werden hier nicht nur schiefe Geschlechterkonstruktionen Emmas als lieber netter alten Frau, die immer Zeit hat, lieb zu den kleinen Kindern ist aber in einem sehr prekären Arbeitsverhältnis verortet ist, manifestiert, auch war hier einer der zentralen Orte des Verkaufes von Produkten aus den Kolonien.
Heute boomt im sich postkolonial selbstkonzipierenden Deutschland Fair Trade und Öko, und dennoch (oder gerade deswegen) besingen seit geraumer Zeit Der Spiegel und FAZ und DW das Comeback der Tante Emma Läden als die Rückeroberung von Herzlichkeit und Atmosphäre. Wer mehr Persönlichkeit in seinem Single-Leben haben will, der muss an dieser Re-Traditionalisierung partizipieren, scheint es.
Doch diese Mainstream-Diskurse verschleiern, wie es wirklich bestellt ist um die alternative Discounter-Szenerie in Deutschland, ja sie unterschätzen das Potential der türkischen Lebensmittelläden. Der Tagesspiegel spricht von einer Transformation der Tante-Emma in Onkel-Ahmed-Läden. Diese müssen nicht romantisiert werden, was ein Blick auf Löhne und Arbeitszeiten verdeutlicht, doch als volkswirtschaftlicher Faktor dürfen sie ebenso erkannt wie als Synonym der deutschen (urbanen) Gesellschaft 2010 anerkannt werden.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Natürlich hysterisch nacktgescannt

Dass der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion die Debatte über die Einführung von sog. Nacktscannern hysterisch findet, amüsiert und irriert zugleich. Ohne hier mit einem freudianischen Diskurs zu kommen, ist die Hysterie ihrem altgriechischen Wort nach ja die Gebärmutter - und damit eines der intimsten Regionen unserer Körper-Gesellschaften. Um eben deren Vulnerabilität mag es gehen in den Diskursen dieser Tage: also ja, von mir aus ist das hysterisch.

Dienstag, 29. Dezember 2009

grüne Besetzungen

ich schreibe:
"the British still occupied Egypt"
und meine word-Rechtschreibkorrektur markiert mir diesen Satz grün..
... und schlägt mir vor, ich solle schreiben:
"did not occupy"

Freitag, 25. Dezember 2009

Weihnachten

[...] Weibe, die ward schwanger [...]
Lk 2,5

Dienstag, 22. Dezember 2009

nofreteten 26


Die US-amerikanischen Geistes- und Medienwissenschaftlerin Camilie Paglia untersucht in ihrem Buch "Sexual Personae: Art and Decadence from Nefertiti to Emily Dickinson" die "Manifestationen des chthonischen und des apollinischen Prinzips in der westlichen Kunstgeschichte" seit der Antike. Und dazu gehört dann auch die Nofrete... Dabei geht die Postfeministin in ihren Thesen provokant und provokativ zu Werke, was auch DER SPIEGEL schon bemerkte:
"Sonst kommen wenige Frauen vor. Und daran, sagt Paglia, sei nicht sie schuld, sondern das Wesen der Weiblichkeit. Frauen gebären, Männer seien kreativ, und daß die Geschlechter kulturell niemals gleichwertig sein werden, könne man täglich auf der Toilette feststellen. Hier zeige sich die endgültige Überlegenheit der Männlichkeit: Er bringt mit scharfem Strahl ein kleines Kunstwerk, einen "Bogen der Transzendenz" zustande. Sie dagegen "düngt bloß den Boden, auf dem sie steht"."
Nachdem Paglia 10 Jahre lang nach einem Verleger für ihr Sexual Personae suchte, wurde es schließlich 1991 veröffentlicht - sie hat sich damit vom Mainstream-Feminismus sicherlich entfernt, aber der wollte auch schon vor Erscheinen des Buches nichts über lesbische Vampire wissen und weiß die Irone des urinierten "Bogen der Transzendenz" auch nicht zu schätzen.

Montag, 21. Dezember 2009

Spa meets Aladin

Das im Deutschen immer häufiger für Gesundheit eingesetzte Wort Spa ist keine Abkürzung, sondern geht zurück auf einen belgischen Badeort. Und im Grunde meint Spa auch nicht Gesundheit, sondern Wellness. Und Wellness wiederum ist kein Synonym für Wochenende, sondern leitet sich ab von "wealnesse", dem englischen gute Gesundheit. Soweit die Kausalkette. Und dann ist da noch Aladin, eine Märchenfigur aus 1001 Nacht. Wenn der Okzident nun zum Wellness geht, dann ins Ishara-Baden wie in 1001-Nacht, ins Rasul-Bad oder gleich ins Hamam. In Zukunft will auch Geretsried mitwellnessen, was der Orient so hergibt. In der bayrischen Kleinstadt wird eine Wellnessanlage gebaut. Name.. ihr ahnt es schon: SPALADIN.

Sonntag, 20. Dezember 2009

|| a line a day ||

Der neue Blog || a line a day || ist Musik in meinen Ohren.